Gestern wurden 50 Geflüchtete mit dem Bus aus der BEA zur Landeserstaufnahmestelle nach Karlsruhe gebracht. Hier werden sie weiterhin auf ihre Registrierung und die darauf folgende Umverteilung auf eine der Kommunen in Ba-Wü warten müssen. Der Entscheidung, welcher Kommune sie zugeteilt werden, sind sie völlig ausgeliefert.

Wünsche nach räumlicher Nähe zu möglichen Verwandten/Freund*innen, communities, Unterstützungsstrukturen oder Bildungsmöglichkeiten werden nicht berücksichtigt. 
Aufgeklärt über den Prozess ihrer Registrierung und der Umverteilung werden die Refugees, wie es scheint, nicht wirklich. Immer wieder bringen sie, sowohl in Einzelgesprächen als auch in größeren Treffen, zum Ausdruck, dass das Informationsdefizit für sie verunsichernd und belastend ist. “Wie sieht unsere Zukunft aus?”, “Wo werde ich hingebracht?” und “Was wird dort passieren?” sind Fragen, die wir ständig hören. Ob der Grund hierfür ist, dass die Informationen nicht verständlich, persönlich und oft genug – oder aber gar nicht? – weitergegeben werden, wissen wir nicht.
Durch die unbeeinflussbare Verteilung auf Kommunen sowie die Residenzpflicht werden die Menschen ihrer Selbstbestimmung sowie des Rechtes auf Bewegungsfreiheit beraubt. Auch führt die immer wieder erfolgende Umverteilung zur Isolation der Betroffenen. Persönliche Beziehungen, die in den Städte aufgebaut werden, werden nach kurzer Zeit zerstört, Kontakte zur Ärzt*innen, unabhängiger Rechtshilfe, Deutschkursen, etc. müssen immer wieder neu geknüpft werden, Wege und Orientierung neu gesucht werden. Dies erleichtert den Behörden nicht zuletzt eine reibungslosere Durchführung von Abschiebungen durch das Fehlen von Unterstützungsnetzwerken.
An dieses Kommen und Gehen werden wir und viele Gruppen und Einzelpersonen, die sich für Geflüchtete in Erstaufnahmelagern einsetzen, gewöhnen müssen. Langfristige Bindungen und Freund*innenschaften aufzubauen wird kaum möglich sein, stattdessen wird die Zusammenarbeit immer wieder von Neuem beginnen müssen.