Proteste in der BEA Freiburg – zeigt euch solidarisch!

Heute Abend gab es erneut Proteste von BewohnerInnen gegen die Bedingungen in der BEA, für eine schnellere Registrierung und für die Ausgabe von Geldleistungen. Die Badische Zeitung hat einen kurzen Artikel dazu verfasst. Mehrere BewohnerInnen der BEA haben uns berichtet, dass das Sicherheitspersonal der BEA sie mit Zwang daran gehindert hat, das Gelände zu verlassen und ihren Protest nach außen zu tragen. Das Sicherheitspersonal rief die Polizei, die schließlich mit einem riesigen Aufgebot vor Ort war. Etliche Einsatzkräfte mit voller Kampfmontur waren lange Zeit in der BEA, auch mehrere Krankenwagen waren vor Ort. Die Polizei sprach gegenüber PressevertreterInnen von “Spannungen” und davon, dass es keine Demonstration gegeben habe.
Neben der Tatsache, dass Versammlungen besonders geschützt sind und dieser Schutz von der Polizei womöglich auf diese Weise bewusst umgangen wurde, sind wir der Ansicht, dass das politische Anliegen der Geflüchteten so untergraben und unsichtbar gemacht werden soll.

Wir solidarisieren uns mit den Forderungen der Geflüchteten und ihrer Selbstorganisation.

Deshalb wollen wir morgen und in den nächsten Tagen an der BEA den Kontakt mit den Geflüchteten suchen, ihre Geschichten und Forderungen hören und teilen – wir freuen uns, wenn viele Leute dazukommen und die Geflüchteten und uns dabei unterstützen! Kommt vorbei, macht den Infostand auf, sprecht mit Leuten!

#StopTheDangerousDeal

Kurzmitteilung

Die ‘Women’s Initiative for Peace’ aus der Türkei hat eine wichtige Stellungnahme gegen den geplanten Deal mit der Türkei des Autokraten Erdogan geschrieben.

Der Deal soll die Türkei zur Errichtung riesiger Lager für Geflüchtete bringen und das Land dazu verpflichten, Geflüchtete an der Weiterreise nach Europa zu hindern. Im Gegenzug erhält die Türkei enorme finanzielle Mittel und Unterstützung für ihre Außenpolitik – und das wenige Wochen vor den Wahlen in der Türkei.

Der Aufruf “Stop the dangerous deal”:

The German Prime Minister Angela Merkel is coming to Turkey on Sunday in order to negotiate with Recep Tayyip Erdo?an, the President of Turkey. What is on the table is a deal that is as opportunistic as it is dangerous: if Turkey accepts to keep within its borders the Syrian refugees already on its soil (numbering around 2 million) as well as those that are to come, Prime Minister Merkel allegedly agrees to facilitate Turkey’s entrance into the European Union, consider a visa exemption for Turkish citizens traveling to Europe, and donate 3 billion Euros to Turkey for its expenses on these refugees as a proof of the good will of the EU. This deal, approved also by the German Right, is unbelievable on all levels. First of all, did anybody ask Syrians for their opinion? The conditions in Turkey are appalling for Syrian refugees. President Erdo?an has also stated over and over again that he has the intention to settle these refugees in a buffer zone on the Syrian border. What this visit means in the short term is a European seal of approval for this project, which entails both even more unlivable conditions for refugees and a clear attack by Turkey on the people of Syrian Kurdistan (Rojava).

Moreover, it is clear that this visit, especially in this period right before the election in Turkey, shall function as significant support for the election campaign of the AKP, since President Erdo?an makes no effort to hide his relationship with this party and retain the impartiality his position requires. This view has been expressed in the Bundestag by both the Left Party and the Greens.

This support for AKP’s electoral campaign comes in a period in which this party has greatly damaged the prospect of peace both in Turkey and in the Middle East in general. It has been a mere week since the Ankara bombings. We women were witness to this massacre. It has been a mere week since the police in Turkey attacked people trying to carry those wounded in these bombings to hospitals, using bullets, tear gas and pressurized water. Right after this, the Minister of the Interior had the nerve to claim that “there is no weakness regarding security.” The Minister of Justice was able to laugh upon hearing the question of whether the Minister of the Interior would resign. The Prime Minister saw no problem in stating that they have a list of all potential suicide bombers, but could not intervene until the attack had been carried out since the crime was not yet committed. The President, with whom Prime Minister Merkel shall meet, declared that “resignation is not an appropriate mechanism in each and every single incident.” This, after one of the most bloody incidents in the history of the country… And this is not all. In Turkey, the State is currently waging war on all societal groups that are demanding and working towards peace. Countless civilians have been imprisoned or deliberately killed by state security forces especially in the Kurdish region since the end of the cease-fire, and many war crimes have been committed. These have all been documented by human rights organizations.

Does the European Union, then, suddenly consider all of these acts acceptable and decide that Turkey has become more fitting of its criteria in exchange for keeping Syrian refugees away? When so many people in Turkey see at least some responsibility for the massacre that took place in Ankara in those that govern us due, for one, to their leniency towards ISIS, we ask Prime Minister Merkel not to award them money and legitimacy in return for keeping this refugee crisis ‘under control’. We call upon women’s organizations in Germany and the international public at large to prevent this deal. We know that this a real solution neither for the plight of refugees, nor the problems in Europe or Turkey. All this does is imprison Syrian refugees within the borders of Turkey while condoning all kinds of rights violations on all levels within this country.

All of our lives and our hopes to live in peace should be worth more than this. It is nothing short of an obligation for all of us women to react immediately to this deal, because a deal of this sort is dangerous for the future of the Middle East, Europe, and in longer term, the future of the entire world.

ProAsyl: “Die Situation war die Hölle” Interview mit einer Ex-Bewohnerin über alltägl. Schikanen in Flüchtlingsunterkünften

Kurzmitteilung

Interview mit Frau Mensah, Ex-Bewohnerin einer Sammelunterkunft. In der aktuellen Unterbringungshektik werden vielerorts private Betreiber eingeschaltet, vom Großanbieter bis zum kleinen Hotelbesitzer. Unbestritten gibt es inzwischen eine Vielzahl wohlmeinender, motivierter Kommunen und Betreiber. Gleichwohl wird immer wieder darüber berichtet, wie autoritär unqualifiziertes Personal mit Asylsuchenden in Unterkünften umspringt, wie das Interesse an reibungsloser Verwaltung und Kontrolle dominiert, während es an Beratungsmöglichkeiten und Empathie fehlt. Das Interview mit Frau Mensah zeigt an vielen Begebenheiten, von Alltagserschwernissen bis zu ungebremsten Schikanen, wie solche Verhältnisse die Menschenwürde tangieren.

http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/in_keinem_moment_hab_ich_mich_frei_gefuehlt/

PRO ASYL will Klagen gegen das Asylverschärfungsgesetz unterstützen

Kurzmitteilung

Nach der gestrigen Verabschiedung im Bundestag entscheidet am heutigen Freitag auch der Bundesrat über die Verschärfung des Asylgesetzes. Mit den geplanten Maßnahmen wird die Integration von Asylsuchenden nicht nur massiv erschwert, die Bundesregierung begeht damit offenen Verfassungsbruch. PRO ASYL will mögliche Klagen von Flüchtlingen bis vor das Verfassungsgericht begleiten und stellt dafür Geld aus seinem Rechtshilfefonds zur Verfügung.

http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/pro_asyl_will_klagen_gegen_das_asylverschaerfungsgesetz_unterstuetzen/

Pressemitteilung des Südbadischen Aktionsbündnisses gegen Abschiebungen (SAGA)

SAGA hat eine weitere Pressemitteilung zu den ominösen “Hausordnungen” in der BEA und allgemein zur Rhetorik der “Überforderung” geschrieben:

Die jahrelange Verfehlung der Flüchtlingsthematik und Abwälzung der damit verbundenen Probleme an die Grenzstaaten der EU durch die deutschen Institutionen wird vom RP verschwiegen, stattdessen wird von „Strömen“ gesprochen, die naturkatastrophengleich über Deutschland einbrechen. Das diese Verfehlungen auf dem Rücken der betroffenen Flüchtlinge in den vollkommen überbelegten Erstaufnahmelagern abgeladen werden, wird vom RP ignoriert, stattdessen wird auf die Belastung der eigenen Mitarbeiter*innen verwiesen, die „in großem Umfang Überstunden leisten müssen“ (s.o.). Die Situation der Betroffenen bleibt damit vollkommen außen vor und Rechtsbrüche von Seiten der Betreiberfirma (rechtswidrige ‘Hausordnung’) und der Aufsichtsbehörde (Verweigerung von Geldleistungen) wird auch in der Öffentlichkeit stillschweigend akzeptiert.
Die Pressemitteilung im vollständigen Wortlaut gibt es hier.

Dorer im Interview: Security & EHC in der BEA

Am Rande der gestrigen Pressekonferenz des Regierungspräsidiums konnte das freie Radio RDL ein Interview mit Karl Dorer führen.

Es geht darin unter anderem um die von der Betreiberfirma European Homecare ausgehändigte Hausordnung, in der den Geflüchteten (widerrechtlich) mit der Auswirkung geglichen Verhaltens auf ihr Asylverfahren gedroht wurde (siehe Pressemitteilung von SAGA und NoLager-Blogeintrag vom 21. September) – Dorer bleibt in diesem Punkt schwammig.

Außerdem Thema des Interviews: die verschiedenen Instanzen in der BEA sollen sich gegenseitig kontrollieren. Und: für Mitarbeiter_innen der Security ist lediglich das Bereithalten von Handschellen, nicht aber irgendeiner anderen Form von (defensiver) Bewaffnung zulässig.